Underwriting auf dem Prüfstand
Als Kernelement des Leben-Neugeschäfts ist der Underwriting-Prozess unter Solvency II ein wesentliches Risiko. Munich Re unterstützt bei der Prozessoptimierung.
Der traditionelle Underwriting-Prozess ist durch das Geschäfts- und Vertriebsmodell des Lebensversicherers bestimmt und stützt sich in erster Linie auf die Qualität der medizinischen Prüfung sowie der finanziell-versicherungstechnischen Bewertung von Anträgen. Der Prozess ist in vielen Unternehmen Teil bestehender Risikomanagement-Systeme zur Vermeidung oder Verringerung der operationellen Risiken.
Kernstück der zweiten Säule unter Solvency II ist das Governance-System, das jeder europäische Versicherer unternehmensindividuell aufbauen und in den folgenden Jahren weiterentwickeln muss. Ein neuer Aspekt ist für viele Versicherer die Erweiterung der bisherigen, eher auf arbeitsteilige Effizienz hin ausgerichteten Prozesslogik um eine risikoadäquate Sicht. Künftig müssen Kernprozesse als wesentliche operationelle Risiken gesehen werden.
Operationelle Risiken unter Solvency II: Auswirkung für Lebensversicherer
In der Praxis sind Lebensversicherer daher beispielsweise mit folgenden operationellen Risiken konfrontiert:
- Da der Underwriting-Prozess auf den Eingangsdaten des Antragssteller oder des Vertriebs basiert, besteht immer das Risiko, dass der gesamte Prozessverlauf auf irrtümlichen – oder bewusst verfälschten – Eingangsdaten fußt.
- An jeder Schnittstelle des Underwriting-Prozesses werden personenbezogene, hoch vertrauliche Daten übermittelt. Hier ergeben sich Risiken durch möglichen Datenverlust, fehlerhafte Übertragungen oder nicht abgeglichene IT-Systeme.
- Durch das Zusammenwirken interner und externer Kooperationspartner kann es zu formalen Lücken kommen, beispielsweise zu mangelhaft geregelten Haftungsfragen in Verträgen.
Bei der Betrachtung operationeller Risiken wesentlicher Kernprozesse wird das Interne Kontrollsystem (IKS) eine wesentliche Rolle spielen. Denn genau an den Stellen im Underwriting-Prozess, für die zuvor die größte Risikoexponierung ausgemacht wurde, setzen die Schlüsselkontrollen des IKS an. Ein schlüssig aufgesetztes internes Kontrollsystem erfüllt somit nicht nur die regulatorischen Erfordernisse, sondern birgt auch das Potenzial für Prozessoptimierungen.
Standardisierte und automatisierte Prozesse erleichtern die Zusammenarbeit mit Munich Re
Auch die Rolle des Rückversicherungspartners ändert sich aufgrund der gestiegenen Kontroll- und Berichtsanforderungen. Ein Lebensversicherer, der beispielsweise ein externes Risikobewertungs- und Pricing-Tool wie das MIRA-System von Munich Re einsetzt, benötigt nicht nur technisch-operationelle Sicherheit für den täglichen Einsatz im Geschäft mit sensiblen Daten, sondern zudem die Gewissheit, dass sämtliche gesetzlichen sowie regulatorischen Anforderungen umfänglich abgebildet und integriert sind.
Munich Re geht davon aus, dass in Zukunft vermehrt standardisierte und automatisierte Prozesse oder Audits als Teil des Risikomanagements an der Schnittstelle zwischen Erst- und Rückversicherer anzutreffen sind. Dies würde nicht nur die Qualität der Zusammenarbeit erhöhen, sondern wäre regulärer Teil der Berichts- und Nachweispflichten des Lebensversicherers gegenüber seinem Regulator.
Munich Re unterstützt seine Kunden bereits heute in vielen Bereichen, die unter Solvency II zentrale Bedeutung erlangen werden. Hierbei fließen die umfänglichen Erfahrungen beim Aufbau eines eigenen Risikomodells ebenso mit ein wie die zeitnahe Analyse aller Solvency-II-Entwicklungen aus Sicht der Erst- und Rückversicherung.
Im Rahmen der Knowledge Series hat Munich Re den äußerst vielschichtigen Underwriting-Prozess in Bezug auf seine Anfälligkeit für operationelle Risiken detailliert untersucht und anschließend im Licht der Säule-2-Anforderungen aus den Bereichen Governance durchleuchtet. Abschließend folgt ein Überblick, wie ein Rückversicherer seine Lebensversicherungskunden bei der Risikominimierung und -steuerung unterstützen kann.
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